Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg


 

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Programm Mai - Juli 2010


"Ich natürlich, oder?! Deutschsprachige Literaturnobelpreisträger"

Ausstellungseröffnung mit einer Einführung von Achim Geisenhanslüke: "Raubtier der Trauer, Mensch. Über Elias Canetti"

Danach gefragt, wer wohl den Nobelpreis für Literatur 1981 zuerkannt bekomme, antwortete Gabriel García Márquez „Ich natürlich, oder?!“ und behielt (zumindest für dieses Jahr) unrecht: Der Nobelpreis ging an Elias Canetti.
Die Sonderausstellung bietet eine Übersicht über die deutschsprachigen Träger der höchsten literarischen Ehrung weltweit, zu denen Paul Heyse und Gerhart Hauptmann, Thomas Mann und Hermann Hesse und weitere Namen gehören. Die von der Arbeitsgemeinschaft literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten e.V . konzipierte Wanderausstellung wurde aus gegebenen Anlass aktualisiert, so dass nun auch die Nobelpreisträgerin 2009, Herta Müller, mit ihrem Werk präsentiert wird.
Die Schautafeln werden mit zahlreichen Dokumenten aus dem Bestand des Literaturarchivs ergänzt: neben Hermann Hesse und Thomas Mann, Günter Grass und Heinrich Böll zählen auch Nelly Sachs und Elias Canetti zu den Autoren, die mit Briefen und Typoskripten in den Sammlungen des Archivgründers Walter Höllerer vertreten sind.

Zur Ausstellungseröffnung gibt Achim Geisenhanslüke, Professor für Germanistik an der Universität Regensburg und 1. Vorsitzender des Literaturarchivs Sulzbach-Rosenberg, mit seinem Vortrag „Raubtier der Trauer, Mensch“  eine Einführung in das Werk von Preisträger Elias Canetti.
Der Eintritt zur Eröffnung ist frei.

Dauer: bis Mitte Oktober

In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten e.V.

Eintritt: zur Eröffnung frei


 

 

 

Eintritt zur Ausstellung:
3 €, ermäßigt 2 €

Blick ins Archiv
Führung mit Michael Hehl und Ralf Gnosa

Die wissenschaftliche Arbeit im Literaturarchiv konzentriert sich im Moment unter anderem auf die Katalogisierung und Erschließung des Nachlasses von Walter Höllerer. Dieses Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) noch bis 2011 gefördert. Am 20. Mai, dem Todestag von Walter Höllerer, führen Michael Hehl (wiss. Leiter), und Ralf Gnosa (wiss. Mitarbeiter), durch das ansonsten nicht zugängliche Magazin im Dachgeschoss des Literaturarchivs. Sie geben einen Einblick in die Sammlungen Walter Höllerers und informieren über den Fortschritt der Erschließung.

Eintritt frei

"Kokoschkins Reise"
Lesung mit Hans Joachim Schädlich

In seinem Roman „Kokoschkins Reise“ erzählt Hans Joachim Schädlich die Geschichte Fjodor Kokoschkins, dessen Biographie exemplarische Stationen des 20. Jahrhunderts aufweist. 1910 in St. Petersburg geboren, erlebt er die russische Revolution in Moskau, die Weimarer Republik in Berlin und gerät über Prag ins amerikanische Exil. 95-jährig macht der emeritierte Biologie-Professor eine Schiffsreise und richtet seinen Blick zurück auf die Vergangenheit. Trotz nüchterner Berichtssprache und knapper Dialoge entsteht zwischen den Zeilen ein historisch detailliertes Bild von der Fülle dieses Emigrantenlebens.
Hans Joachim Schädlich, 1935 im vogtländischen Reichenbach geboren, studierte Germanistik und Sprachwissenschaften. 1976 reiste er mit seiner Familie in den Westen aus. 1977 erschien in Westdeutschland sein Debüterzählband „Versuchte Nähe“. Es folgten zahlreich Romane und Erzählbände, zuletzt „Vorbei“ (2007). Hans Joachim Schädlich wurde u.a. mit dem Kleist-Preis und dem Bremer Literaturpreis ausgezeichnet.

Eintritt: 6 €,
ermäßigt 4 €, Schüler 1 €

Von Böhmen nach Bayern
Literaturfahrt

„Bei Euch, bei uns. Von Böhmen nach Bayern und zurück“ lautete das Motto, unter dem das Prager Literaturhaus und das Literaturhaus Oberpfalz im Herbst 2009 ihre Kooperation begannen. Dieses Jahr möchten die beiden Häuser das Motto beim Wort nehmen: auf einer Literaturfahrt mit Lesungen, literarischen Führungen und Wanderungen zwischen Prag und Sulzbach-Rosenberg, mit Zwischenstationen in Böhmen und Bayern.
Auftakt und Ende der Reise bilden öffentliche Veranstaltungen zur aktuellen Literatur in Prag und Sulzbach-Rosenberg (siehe unten: Lesung mit Jan Faktor).
Auf dem Weg liegen böhmische und bayerische Literaturorte:
Lebendige Literaturgeschichte bietet ein Literaturpicknick bei Schloß Janovice südlich von Prag, wo Sidonie Nadherny als Muse von Karl Kraus (er schrieb dort einen großen Teil der „Letzen Tage der Menschheit“) und Rainer Maria Rilke wirkte. Nächste Station ist Domažlice im Böhmerwald nahe der bayerisch-böhmischen Grenze, dort ist ein literarischer Spaziergang auf den Spuren von Bozena Nemcova, der großen tschechischen Prosaautorin des 19. Jahrhunderts geplant. Auf der bayerischen Seite wird der Autor Bernhard Setzwein als literarischer Wanderführer die Teilnehmer auf den Lamberg bei Cham begleiten, wo Nietzsche einst wanderte.
Teilnehmerzahl auf 30 begrenzt. Detaillierte Informationen auf Anfrage und hier.

In Kooperation mit dem Prager Literaturhaus, dem Adalbert Stifter-Verein München, und dem Kulturreferat des Landkreises Cham

Mit Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst und der Bayerischen Staatskanzlei

 

Georgs Sorgen um die Vergangenheit
Matinee-Lesung mit Jan Faktor

Jan Faktor legt mit seinem Roman „Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag“ gleichermaßen einen erotischen Entwicklungsroman und einen Prag-Roman vor, der das hoffnungsvolle Klima der 1960er Jahre und die gesellschaftlich tristen 1970er Jahre in der Tschechoslowakei aufleben lässt. Der Held Georg wächst in dieser Zeit in einem Frauenhaushalt mit seiner schönen Mutter,mit Tanten, Großmüttern, Cousinen und dem Onkel ONKEL als einzigem Geschlechtsgenossen in einer Prager Altbauwohnung auf, die einer dunklen Festung aus Schränken und schweren Möbeln gleicht.
Der Roman, der im Frühjahr auf der short list für den Leipziger Buchpreis nominiert war, „liest sich (...) wie ein Cocktail aus Philip Roth, Milan Kundera und Torbergs „Tante Jolesch“, garniert mit nicht nur einer Kirsche Bohumil Hrabal.“, meint FAZ-Kritikerin Felicitas Lovenberg. „Es geht um die Möglichkeit, Alltag in Literatur zu verwandeln, eine, wie wir lernen, von Hrabal eingeführte tschechische Spezialität, die Faktor hier gekonnt und betont lässig mit dem jüdischen Thema der Identitätssuche verknüpft.“

Jan Faktor wurde 1951 in Prag geboren und übersiedelte 1978 nach Ostberlin. Er studierte Informatik und übte verschiedene Berufe aus. Bis 1989 war er in der alternativen Literaturszene Ostberlins aktiv. Sein Debütroman „Schornstein“ erschien 2006, bereits 2005 erhielt er dafür den Alfred-Döblin-Preis.

Mit Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst und der Bayerischen Staatskanzlei

Eintritt: 6 €
ermäßigt 4 € Schüler 1 €

Bücherflohmarkt im Rahmen des Altstadtfestes

Im Rahmen des Sulzbach-Rosenberger Altstadtfestes findet wie jedes Jahr ein Bücherflohmarkt statt. Außerdem ist die aktuelle Sonderausstellung zu den deutschsprachigen Literaturnobelpreisträgern sowie die Dauerausstellung des Literaturarchivs bei freiem Eintritt zu besichtigen.

Eintritt frei

"herz/stücke"

Die Theatergruppe des Herzog-Christian-August-Gymnasiums unter Leitung von Christina Baumann präsentiert im Hof des Literaturarchivs und an weiteren Spielstätten in Sulzbach-Rosenberg (Innenhöfe Heldrich und Buchhandlung Volkert) ihre Produktion "herz/stücke".

 

"Die Leinwand"
Lesung mit Benjamin Stein

Moderation: Knut Cordsen, Bayerischer Rundfunk

Benjamin Steins Roman „Die Leinwand“ ist ein Spiegelkabinett mit zwei Eingängen: Hinter beiden Buchdeckeln beginnt je eine Geschichte. Genau in der Mitte kommt es zur Konfrontation, treffen die beiden Erzähler, aufeinander: Amnon Zichroni, der die Fähigkeit besitzt, Erinnerungen anderer Menschen nachzuerleben, und Jan Wechsler, der Zichroni um die Existenz gebracht haben soll.
“Die Leinwand“ ist ein spannender Roman über die Unzuverlässigkeit unserer Erinnerungen und das Ringen um Identität. Meisterhaft konstruiert und gestaltet zu einem Buch, das von zwei Seiten gelesen werden kann, ist der Roman auch eine Liebeserklärung an das Medium Buch.
Benjamin Stein, die neue Stimme der jüdischen Literatur, wurde 1970 in Berlin (Ost) geboren. Nach dem Abitur arbeitete er bis zur Wende 1989 als Nachtpförtner in einem Altenheim, später studierte er Judaistik und Hebraistik. Seit 1982 veröffentlicht er Lyrik und Kurzprosa. Sein erster Roman „Das Alphabet des Juda Liva“ erschien 1995 im Ammann. Benjamin Stein arbeitete als Redakteur und Korrespondent diverser deutscher und amerikanischer Computerzeitschriften und seit 1998 als Unternehmensberater für Informationstechnologie. Er ist Inhaber des Autorenverlags Edition Neue Moderne und betreibt das literarische Weblog „Turmsegler“. Benjamin Stein ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in München.

Im Rahmenprogramm der Knorr-von-Rosenroth-Festspiele 2010


Eintritt: 6 €
ermäßigt 4 € Schüler 1 €

Das aktuelle Programmheft können Sie hier als PDF-Dokument herunterladen.

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