Archiv des Jahres

„Ein Panzer gegen die hässliche Zeit“. Hermann Hesses „Glasperlenspiel“ im „Dritten Reich“

Sonderausstellung

1943 veröffentlichte Hermann Hesse seinen letzten Roman „Das Glasperlenspiel“ in kleiner Auflage in der Schweiz, erst Ende 1946 wurde er auch einem größeren Publikum in Deutschland bekannt. Ursprünglich hätte „Das Glasperlenspiel“ schon 1942 in Berlin erscheinen sollen, doch die NS-Behörden verweigerten die Druckgenehmigung. Seinem Sohn Heiner teilte Hesse 1942 resigniert mit, „dass das Buch nun also die Leser, für die es bestimmt war, nicht erreicht“.

Die Ausstellung versucht erstmals, die politische Dimension der „Lebensbeschreibung des Magister Ludi Josef Knecht“ aufzuzeigen, vor dem Hintergrund der Zwänge, denen sich Hesse seit 1933 ausgesetzt sah. Neben literarischen und zeithistorischen Dokumenten präsentiert die Schau auch einige Film- und Tondokumente, die Zeitgeschichte und den musikalischen Horizont des „Glasperlenspiels“ vergegenwärtigen und so einen Zugang zu diesem rätselhaften Roman erschließen. Darüber hinaus spielt Hesses Verhältnis zu Thomas Mann und dessen Roman „Doktor Faustus“ eine Rolle.

Nach Stationen in Berlin, im Gaienhofener Hesse-Museum und in Bremen ist die Ausstellung von 22.9. bis 26.2.2021 im Literaturhaus Oberpfalz zu sehen – ergänzt durch Hesse-Briefe aus eigenen Beständen.

Es gelten die üblichen Corona-Auflagen. Die Besucherzahl ist begrenzt, daher wird eine Anmeldung unter 09661/8159590 oder info@literaturarchiv.de insbesondere auch für kleinere Gruppen empfohlen.

Öffnungszeiten: Die – Fr 9.00 – 16.00 (außer an Feiertagen) , So 14.00 – 17.00.

Bitte informieren Sie sich auch aktuell telefonisch, per Email oder über unsere Website, insbesondere falls sich die allgemeine Situation in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie verändert.

Kurator Lutz Dittrich spricht am 22.9.2021 in der Ausstellung

Flyer zur Ausstellung

Dauer: Verlängert bis 17.12.2021

 

Weltliteratur aus der Kleinstadt - Wolfgang Hilbig zum 80.

Er war ein Arbeiter-Dichter, ein Wanderer zwischen Deutschland-Ost und Deutschland-West, der sein Leben zwischen den persönlichen und historisch gegebenen Extremen zu bewegender Literatur umzuschreiben vermochte: Wolfgang Hilbig, 1941 in Meuselwitz bei Leipzig geboren, 1985 nach Nürnberg ausgereist, später in Berlin lebend, wäre am 31. August 80 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass laden wir zu einem ganz besonderen Abend mit seinen Weggefährten.

Katja Lange-Müller und Ingo Schulze im Gespräch mit Thomas Geiger

Hilbig hat mehrfach im Literaturhaus Oberpfalz gelesen, zuletzt im April 2000 aus seinem Roman "Das Provisorium". 2007 starb er in Berlin. Über Wolfgang Hilbig, den Heizer aus Meuselwitz, sprechen an diesem Abend zwei, die ihm literarisch und persönlich eng verbunden waren: Katja Lange-Müller warf ihm statt Blumen ein Kohlebrikett ins Grab und umschrieb ihre Freundschaft mit: "Wenn du mich verstehst ohne Brille ...". Ingo Schulze lebte lange in der Nähe von Meuselwitz - nicht nur für den Dichterfreund, auch für Schulze selbst der Ort, "wo die Minotauren weiden". Kurz vor dem 80. Geburtstag von Wolfgang Hilbig reisen beide in eine andere literarische Kleinstadt: In Sulzbach denken Katja Lange-Müller und Ingo Schulze zusammen mit Thomas Geiger über den Ausnahmeschriftsteller nach, der seine Heimat in die Weltliteratur einschrieb.

Capitol

Eine Veranstaltung des Literaturhauses Oberpfalz,
mit freundlicher Unterstützung der S. Fischer Stiftung

Weitere Informationen zum Wolfgang-Hilbig-Jahr und eine Hörprobe finden Sie hier

Junge Lyrik aus Tschechien und Deutschland, 14. 7. 2021

Wir wollen an diesem Abend einen Blick auf die junge  Lyrikszene in Tschechien und Deutschland werfen. Dazu eingeladen haben wir die diesjährigen Adalbert Stifter-Stipendiatinnen Anna Brikciusová und Slata Roschal, außerdem Tristan Marquardt und Jan Škrob und die Übersetzerin Martina Lisa. Wir werden ihre Gedichte hören und mit ihnen über ihre Arbeitsweise sprechen, darüber, in welcher Schreibtradition sie sich sehen, wie sie ihren Weg in den Literaturbetrieb gefunden haben und wie sie ihn mitgestalten.

Veranstalter: Adalbert Stifter Verein und Literaturhaus Oberpfalz

Ort: Capitol, Bild & Bühne, Bayreuther Str. 4, 92237 Sulzbach-Rosenberg

Kooperations- und Förderpartner: CZECHLIT Česke literární centrum, Prag

LiteraturSommerFest , 3. 7. 2021

Unser Literatursommerfest findet statt - ein bisschen anders als sonst, aber wie immer mit reichhaltigem Literatur- und Musikprogramm. Diesmal im Capitol - Bühne und Musik. Mit dabei: Die Autoren Steffen Kopetzky, Nico Bleutge und Anja Kampmann. Die Band Tři Hudebníci wird das Fest musikalisch mit einem Ritt durch ganz verschiedene Stilrichtungen begleiten.

Programm

13.00 Uhr Mitgliederversammlung

15.00 Uhr Landschaften – Denkräume im Kopf

Lesung und Gespräch mit Nico Bleutge und Anja Kampmann

Moderation Thomas Geiger

Von den Weiten (vermeintlich) unberührter Natur bis hin zu den „lost places“ verödeter Industrielandschaften, die von der Natur zurückerobert werden - für Literatur, insbesondere für die Lyrik, bietet Landschaft in ihren unterschiedlichen Ausprägungen stetig Anreize zur Auseinandersetzung.

In Lesung und Gespräch mit dem Lyriker und Essayisten Nico Bleutge und der Lyrikerin und Romanautorin Anja Kampmann soll dieser Befund weiter ausdifferenziert werden. Was prädestiniert den poetischen Blick für die Vermessung von Landschaft? Wie öffnen umgekehrt Erfahrungen in und mit einer Natur- oder auch Kulturlandschaft Denkräume im Kopf. Wie werden geografisch definierte Landschaften durch Literatur und Kunst mythisch aufgeladen? Was haben Landschaft und Heimat miteinander zu tun? Und wie berührt die poetische Auseinandersetzung mit einer Landschaft gesellschaftspolitische Diskussionen um Artenvielfalt und Naturschutz?

Nico Bleutge, geboren 1972, studierte Neuere Deutsche Literatur, Allgemeine Rhetorik und Philosophie in Tübingen. Heute lebt er in Berlin. Im C.H. Beck Verlag erschienen seine Gedichtbände „klare konturen“ (2006), „fallstreifen“ (2008), „verdecktes gelände“ (2013) und „nachts leuchten die schiffe“ (2017) und zuletzt der Essayband „Drei Fliegen. Über Gedichte“ (2020). 2003 erhielt Bleutge den Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis. Die Jury schrieb in ihrer Begründung: „Nico Bleutges Gedichte sind optische Apparaturen, die im Wechselspiel von menschlichem Blick und Landschaften den ständigen Aufbau und Zerfall von Ordnung beobachten. (…) Der traditionellen Darstellung von Landschaft als geistiger Hervorbringung setzen sie eine Darbietung entgegen: das Schauspiel der Dinge.“

Anja Kampmann, geboren 1983, studierte an der Universität Hamburg und am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Bei Hanser erschienen ihr Gedichtband „Proben von Stein und Licht“ (2016), ihr Debütroman „Wie hoch die Wasser steigen“ (2018) und im März 2021 „Der Hund ist immer hungrig“, zu dem Kritiker Helmut Böttiger meint: „In Anja Kampmanns Gedichten gibt es ein unterschwelliges Bewusstsein dafür, dass die Welt in der Form, in die wir hineingewachsen sind, fragwürdig geworden ist. Die Zerstörung der Natur, das Verschwinden der gewohnten Lebenszusammenhänge wird bereits als gegeben vorausgesetzt. Das hat etwas Verstörendes, und zugleich ist es von einer merkwürdig vibrierenden sprachlichen Schönheit.“ (DLF Kultur).

Die Veranstaltung wird gefördert im Rahmen von „Und seitab liegt die Stadt“ - ein Projekt der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (Förderprogramm „Kultur in ländlichen Räumen“) und des Literarischen Colloquiums Berlin.

 

Pause mit Musik von „Tři Hudebníci“

17.00 Uhr „Monschau“

Lesung und Gespräch mit Steffen Kopetzky

Moderation: PD Dr. habil. Heribert Tommek

Im Jahr 1962, als das nukleare Wettrüsten seinen Höhepunkt erreicht, als in Algier und Paris Bomben explodieren, bricht im Wirtschaftswunder-Deutschland der junge Mediziner Nikolaos Spyridakis in die Eifel auf. Es ist eine heikle Mission: Im Kreis Monschau sind die Pocken ausgebrochen, hochansteckend und lebensgefährlich. Mitten im Karneval droht nun Stillstand, Quarantäne. Der Chef der Rither-Werke will die Fabrik um jeden Preis offen halten, keine zwanzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs ist man weltweit gut im Geschäft. Ganz andere Pläne hegt Vera Rither: Die Alleinerbin studiert in Paris, bewundert Simone de Beauvoir und trägt den Geist der Avantgarde nach Monschau. Dort begegnet sie Nikolaos, der als Betriebsarzt durch die tiefverschneite Eifel zur Patientenvisite gefahren wird, vor Ansteckung geschützt durch einen Stahlarbeiteranzug.
Steffen Kopetzky erzählt von einer Liebe im Ausnahmezustand und von der jungen, vom rasanten Wirtschaftswachstum geprägten Bundesrepublik – und verwandelt die wahren Begebenheiten eines kaum bekannten Kapitels deutscher Geschichte in packende Literatur.

Steffen Kopetzky, geboren 1971, ist Autor von Romanen, Erzählungen, Hörspielen und Theaterstücken. Zuletzt erschienen die Romane „Risiko“ (2015) und „Propaganda“ (2019).